Nun nachdem ich die ersten Kilometer abgestrampelt habe, möchte ich gerne einige planerische und technische Erfahrungen teilen. Gedacht für alle, die auch gerne starten und unterwegs sein möchten. Als kleinen Beitrag zu den unzähligen spannenden und hilfreichen Tipps und Tricks auf anderen Reiseblogs. Ein Dankeschön an alle die ihre Erfahrungen teilen und so auch mir immer mal wieder einen guten Hinweis gegeben haben.
Natürlich macht es ebenso Sinn sich im Internet oder in entsprechender Reiseliteratur genauer zu Informieren. Was nicht nur Spass und Lust aufs Reisen macht, sondern auch einen detaillierteren Einblick über das gewünschte Ziel geben kann.

 

Überlegungen zur Strecke

Begonnen wird die Planung wohl oft mit einem Ziel und einer Strecke, die man anpeilt und fahren möchte. Daraus ergeben sich dann viele verschiedene Überlegungen:

Umweltbedingungen

Zu welcher Jahreszeit möchte man die Strecke befahren? Je nach Teil der Welt sind diese bekanntlich auch sehr unterschiedlich. Und auf meiner letzten Reise ist es mir dann doch auch ein paar Mal passiert, dass ich ungewollt in den Schnee gekommen bin. Aber nicht nur die geografische Lage ist zu beachten, auch die Höhe über Meer. Gerade in Kanada und den USA war ich doch auch schon sehr überrascht wie hoch ich mich manchmal befand, obschon nicht direkt Berge in der Nähe waren.
Dabei macht es Sinn sich zu informieren, wie die klimatischen Bedingungen vor Ort sind und ob spezifische Wetterextreme auftreten können. Daraus ergibt sich auch ein erheblicher Teil der Ausrüstung.

Umweltgefahren

Je nach Ort auf dieser Erde gibt es auch Gefahren. Als grösste Gefahr ist wohl der Verkehr oder die anderen Verkehrsteilnehmer zu betrachten. Daher würde ich immer einen Helm empfehlen und teilweise spezielle Signalkleidung. Ich selber habe vor allem darauf geachtet nur bei Tageslicht zu fahren. In der Dunkelheit ist man trotz Licht und Signalkleidung noch immer schwer zu erkennen.
Eine weitere Gefahr sind die Wetterbedingungen. Extreme Hitze und Feuchtigkeit (welche mich erst noch erwartet) lassen einem schnell das Wasser aus dem Körper schwitzen und belasten den Kreislauf. Bei Kälte hingegen ist zu beachten ob man dafür genug gut ausgerüstet ist. Mehrere Tage in Kälte und Schnee saugen schnell die Energie aus dem Körper und erhöhen die Gefahr der Unterkühlung, gerade wenn häufig oder aussschliesslich draussen im Zelt geschlafen wird.
Wilde Tiere können einem ebenfalls das Leben schwer machen. Immer wieder habe ich besorgte Post’s gelesen, das unter anderem wegen streunenden Hunden. Hunde sind mir zum Glück noch nicht zum Problem geworden, können auf dem Rad aber mühsam sein. Während meiner Reise in Nordamerika, waren es eher Bären, vor denen man sein Essen verstecken musste. Dazu hier mehr. Und bei meinen Rucksackaufenthalten in Südamerika und Australien, war zu beachten, dass es sehr giftige Tiere gab.
Mit Dingen welche die Gesundheit gefährden, denke ich als erstes an Wasser und je nach Ort an verkaufte Esswaren. Nicht überall sind die Hygienestandarts gleich hoch und gerade Trinkwasser aus dem Hahn gibt es je nach Region auf dieser Erde selten oder gar nicht. Hier sich über die Wasserbeschaffung und Aufbereitung Gedanken zu machen schadet bestimmt nicht. Daneben ist ein Gang zum Arzt ebenfalls nicht verkehrt, um sich über die nötigen Impfungen zu informieren.
Auch andere Menschen können gefährlich sein. Wobei ich bisher von allzu schlechten Erfahrungen verschont geblieben bin und hoffe, dass die unzähligen wunderbaren Erfahrungen auch in Zukunft nicht überschattet werden. Aus meinen bisherigen Erfahrungen würde ich empfehlen immer wieder zu versuchen mit den Leuten vor Ort im Kontakt zu sein und diese auch nach möglichen Gefahren und Tipps und Tricks zu fragen. Klar bekommt man dabei eine subjektive Antwort, welche nicht immer ganz stimmen muss, aber dennoch ein guter Hinweis sein kann.

 

Länderbedingungen

Bei der Planung meines neuen Abenteuers ist mir als erstes aufgefallen, dass die verschiedenen Länder sehr unterschiedliche Einreisebedingungen haben. Während (mindestens als Westeuropäer) ohne jegliches Visa in die meisten Länder in Südamerika eingereist werden kann, ist dies Richtung Osten in Asien schon sehr anders. In Nordamerika kann ebenfalls für eine gewisse Dauer Visafrei eingereist werden, was aber dann bedeutet, dass nach der abgelaufenen Aufenthaltsdauer nicht verlängert werden kann. Auch kann nicht jedes Visa unterwegs und nicht in jedem Land beantragt werden. Dies erfordert somit einen höheren Planungsaufwand. Spannend war auch die Tatsache, dass nicht alle Grenzen jeweils offen oder passierbar sind.
An Geldnachschub zu kommen verursachte bisher noch keine Probleme, bin ich aber dann gespannt ob dies auch im Iran einfach möglich ist (meine aktuelle Information ist nein).

Streckenbedingungen

Für die Planung von Strecken ist, auf eine längere Sicht, wichtig ab zu schätzen wie lange man in etwa benötigt. Dabei denke ich beispielsweise an mehrere Monate durch unterschiedliche Länder. Wie bereits angeklungen ist dabei zu beachten, für welchen Zeitraum ein Visa zu bekommen ist oder wie sich die Jahreszeiten während der Reise verändern.
Auf Strecken welche in etwa in einer Woche zu bewältigen sind sind eher Faktoren wichtig, an welchen Orten wieder Wasser und Nahrung aufgetankt werden kann. Gerade Wasser zu bekommen ist gar nicht immer so einfach und sollte unbedingt im Kopf behalten werden.
Auf Tages- und Wochenetappen darf auch nicht unterschätzt werden, wie viel Einfluss die Wetter- und Strassenbedingungen auf das Vorankommen haben. Eine schlechte Schotterpiste oder starken Gegenwind verlangsamen einem gerne mal auf die Hälfte der angestrebten Tagesdistanz. Hält solches Wetter an kommen schnell weitere nicht eingeplante Tage hinzu. Aus diesem Grund ist mir persönlich wichtig, immer etwas mehr Esswaren und Wasser mit dabei zu haben, obschon das natürlich auch mehr Gewicht bedeutet.

 

Überlegungen zur Planung

Ist erst einmal klar in welche Richtung es gehen soll und wie viel Zeit man zur Verfügung hat geht es an die ganz praktischen Überlegungen:

Abschnitte und Fahrrhythmus

Jeder wird, abhängig von seinen Vorlieben und Fitness-Stand einen eigenen Rhythmus finden. Dabei ist erst einmal zu beachten, wie lange man jeweils am Tag im Sattel sitzen möchte und je nach dem auch kann. Ich selber bin gerne gemütlich unterwegs und habe auch gemerkt, dass ich mich „durchschnittlich“ mit regelmässigen Pausen nach 4 bis 5 Fahrtagen und etwa 80 km am Tag wohl fühle.
Gerade Pausen sollten nicht vergessen werden, das um dem Körper etwas Ruhe und Erholung zu gönnen und natürlich auch, um etwas Abwechslung in eine Reise zu bringen. Um die benötigte Zeit für eine Strecke einigermassen abschätzen zu können, habe ich mir eine einfache Excel Tabelle gestaltet, welche weiter unten heruntergeladen werden kann.

Material

Je nach Jahreszeit, Wetter, Region und Dauer der Reise wird unterschiedliches Material benötigt. Hier befindet sich eine Übersicht über meine Packliste der letzten Reise die mich über 6 Monate durch Nordamerika geführt hat. Sie ist ausgelegt auf eine Langzeitreise (ursprünglich waren mehr als 1 Jahr angedacht) bei Temperaturen von 0° Celsius aufwärts bis zu tropischen Temperaturen. Gerade die tiefsten Temperaturen sollten nicht unterschätzt werden, bei 0° bis 6 Grad unterwegs zu sein macht die Reise schnell sehr anstrengend und es muss gut darauf geachtet werden ob die Kleider und der Schlafsack einem über längere Zeit im Freien genug warm halten. Weitere Infos und Überlegungen zu Vor- und Nachteilen gewisser Ausrüstungsgegenstände findet ihr im Artikel zu meinem Material.
Ersatzteile hatte ich auf der letzten Reise kaum dabei, da ich mich zu Beginn vor allem in den USA und Kanada befand, wo doch einiges an Radersatzteilen gefunden werden kann. Auf der nächsten Reise Richtung Osten werden meine Partnerin und ich voraussichtlich in Regionen kommen, in welchen die Ersatzteilbeschaffung viel schwieriger wird und so überlegen wir welche Verschleissteile  besser mitgeführt werden.
Neben meinem Artikel zum Material sind im Internet noch unzählige weitere Beschreibungen von anderen Reisenden auffindbar und können hilfreiche Tipps zur Auswahl und Beschaffung geben.

Vorsorgemassnahmen

Ebenfalls stark abhängig von der Region und Dauer der Reise sind die zu treffenden Massnahmen, welche vor einer Reise in Angriff genommen werden müssen.
Grundlegend sind wohl Dinge, welche bei jeder Reise anfallen wie zu kontrollieren wie lange der Pass noch gültig ist und sicher zu stellen, dass im Ausland auch auf seine finanziellen Reserven zurück gegriffen werden kann. Bei einer längeren Reise macht es auch Sinn in seinem Heimatland eine Ansprechperson für seine Anliegen zu haben, welche gegebenenfalls die Post entgegen nehmen oder Erledigungen auf einer Behörde machen kann.
Oben schon angeklungen sind die Einreisebedingungen. Für einige Länder ausserhalb Europas muss für eine Einreise über einen längeren Zeitraum ein Visa beantragt werden. An dieser Stelle kann ich dazu nur einen sehr allgemeinen Hinweis geben. Bei meiner Recherche haben sich die Homepages der jeweiligen Botschaften im eigenen Herkunftsland oft bewährt und sollten für die jeweiligen Informationen konsultiert werden.
Wer gerade in „exotische“ Länder reisen möchte, sollte sich auch über gesundheitliche Risiken der jeweiligen Teile der Erde informieren. Der eigene Hausarzt kann dazu oft schon einige Hinweise geben. In der Schweiz ist diesbezüglich das „Tropeninstitut“ bzw. Zentrum für Reisemedizin eine gute Anlaufstelle. Es macht durchaus Sinn sich zum Thema Impfungen und Reiseapotheke zu informieren und beraten zu lassen.
In ein ähnliches Gebiet geht das Thema Versicherungen. Ein Thema welches ich an dieser Stelle ebenfalls nur sehr allgemein anschneiden kann. Wer in der Schweiz oder Deutschland angemeldet bleibt kann im Regelfall bei seiner Krankenversicherung bleiben und muss mit dieser lediglich klären inwieweit Unfälle und Krankheitsfälle im Ausland abgedeckt sind. Das gleiche gilt für die Altersvorsorge. Weiter kann man sich überlegen für welche Risiken man sich weiter versichern möchte, dabei sind die Geschmäcker vermutlich sehr unterschiedlich. Ich selber habe mich dazu entschieden „nur“ eine Kranken- und Unfallversicherung, sowie eine Haftpflichtversicherung abzuschliessen.
Etwas komplizierter wird es, wenn man sich in seinem Heimatland abmelden möchte. Als „Vorteile“ in der Schweiz ergeben sich, dass der obligatorische Wehrdienst entfällt und keine Steuern bezahlt werden müssen. Weiter können alle Verträge auch ausserhalb der Kündigungsfrist aufgelöst werden. Vereinfacht gesagt, es ist möglich seine Brücken ziemlich komplett ab zu brechen und sich für einen längeren Zeitraum los zu lösen. Als „Nachteile“ ergeben sich, dass die Kranken- und Unfallversicherung sowie die Altersvorsorge entfällt und man sich entsprechende Alternativen suchen muss, bzw. die Altersvorsorge (AHV) in der Schweiz bei einer Rückkehr nach bezahlen (was bis zu 4 Jahre rückwirkend möglich ist Stand: 2018).  Mit dem Thema Reisekrankenversicherung haben sich zwei andere Reisende sehr  ausführlich auseinandergesetzt und die Infos findet ihr hier auf ihrem Blog. Ich selber habe mich für meine nächste Reise für die Langzeit Auslandskrankenversicherung der STA Travel  Deutschland entschieden (konnte ich buchen, da ich im Moment in Deutschland angemeldet bin, in der Schweiz haben sie leider nicht das selbe Angebot, sondern lediglich eine Zusatzversicherung zur regulären Krankenkasse).

So nun wünsche ich viel Spass beim Träumen, Planen und natürlich auch Geniessen einer eigenen Reise. Viel Erfolg


Radreiserechner zum Herunterladen, eine einfache Excel Tabelle um sich die benötigten Tage einer Strecke anhand von einigen Parametern zu berechnen

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