Es war heiss und sonnig und wir suchten den Schatten auf einem kleinen Camping in der Nähe von Bari im Süden von Italien. Unser Zelt oder besser Mückennetz stand am Rande eines grossen Gemüsegartens. Es teilten sich hier einige Einwohner der naheliegenden Ortschaft unterschiedliche Parzellen. Von Zeit zu Zeit kamen verschiedene, oft ältere Menschen vorbei um ihren Garten zu pflegen oder die Ruhe zu geniessen. Trinkwasser gab es scheinbar nur an einem Brunnen im Ort. Wir haben dort auch einen Einheimischen getroffen, welcher seinen Kanister auffüllte, aber mangels Sprachkenntnissen nicht genau herausgefunden, ob er das Wasser an diesem Brunnen besonders mag oder es bei ihm zuhause tatsächlich nicht trinkbar war vom Hahn.
Wir hörten auf dem Garten-Camping immer wieder den Namen „Flavio“ gepaart mit einigen Anweisungen auf Italienisch, welche wir nur erraten konnten. Es war früh am Morgen und es fand das halbtägige Kinderprogramm statt. Eine Gruppe von 15 bis 20 Kinder war verstreut zwischen den Gärten und Spielgeräten. Einige hörten etwas besser auf die Anweisungen der „Maestros“ und „Maestras“ und andere etwas weniger, so wie vermutlich Flavio…

Wir erinnerten uns zurück an unsere eigene Arbeit. Vor gut einem Jahr waren wir von unserer langen Reise zurückgekehrt und haben wieder das gemacht, was die allermeisten ebenso tun, nämlich arbeiten.

Wir beide haben wieder eine Arbeit im sozialen Bereich gefunden, ich selbst als Schulsozialarbeiter und Julia als pädagogische Mitarbeiterin in einer Schule. Nun sind wir wieder unterwegs, jedoch zu Urlaubszwecken und somit nicht mehr im gleichen zeitlichen Umfang wie zuvor. Dennoch können wir uns privilegiert schätzen, da wir im Sommer über 4 Wochen Urlaub machen können, was uns erlaubt weiterhin grössere Touren mit dem Rad zu unternehmen.

Wir haben uns für eine Tour durch Kroatien entschieden und gedacht, dass wir mit dem Zug durch Italien in den Süden fahren und danach mit der Fähre übersetzen. Wir möchten das Fliegen vermeiden und versuchen die jeweiligen Reisedestinationen auf dem Land oder Wasserweg zu erreichen. Alles in allem hatten wir den Eindruck, dass es am einfachsten wäre über Italien anzureisen, da es eine ziemlich direkte Zugverbindung aus der Schweiz bis nach Bari gibt. Wir mussten dazu nur in Lugano und Milano umsteigen. Trotzdem gab es einige Dinge zu beachten. Die Corona-Bestimmungen sind von Land zu Land etwas unterschiedlich und erschwerten die Planung und wir haben uns zwar geimpft, aber zu spät um davon bei der Einreise nach Italien zu profitieren.
Somit begann alles in Winterthur im Testzentrum mit einer doch ca. zweistündigen Wartezeit, um an unser erstes Zertifikat zu gelangen um nach Italien einreisen zu können.

Im Zug in der Schweiz waren wir sehr entspannt unterwegs. Viele Züge bieten mindestens etwas Platz um die Räder, welche wir in Packsäcke verstaut hatten, zu transportieren. An dieser Stelle als Info: in der Schweiz reisen Räder kostenlos, wenn sie in einem Transportsack stecken und auf einigen Zugverbindungen im Ausland können sie oft gar nicht erst in einer anderen Form mitgenommen werden. Am besten ist es jedoch vorher am Schalter zu fragen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Im italienischen Zug schauten uns die Schaffner dann doch mit etwas skeptischen Blick an, als wir die Räder in den Zug brachten. Mit etwas Effort brachten wir Julis etwas kleinere Rad in den Gepäckablagen unter. Meines stellten wir neben einen Einzelsitz. Alles in allem klappte es jedoch besser als ich es erwartet hatte. Wir waren allerdings froh um den Hinweis der Verkäuferin am Schweizer Ticketschalter, dass wir mehr Zeit beim Umsteigen einplanen sollen, gerade wegen den Corona-Bestimmungen und allfälliger Kontrollen an der Grenze. Im Endeffekt waren die Kontrollen sehr harmlos, aber das Umsteigen mit eingepackten Rädern und etwas Ausrüstung zum Zelten und Kochen brauchte dann doch einiges an Zeit und Aufwand.

In Bari verbrachten wir eine Nacht im Hostel und den darauffolgenden Tag in der Stadt. Wir brauchten einen weiteren Test, um weiterreisen zu können da unser Schweizer Test bereits abgelaufen war, am Abend sollte es mit der Fähre nach Montenegro gehen. Wir haben leider bei unserer kurzfristigen Planung für den Anfang der Woche keine Fähre mehr nach Kroatien bekommen und uns gedacht, dass wir auch gut einige Kilometer weiter südlich starten können.
Womit wir nicht gerechnet haben waren die italienischen Zöllner. Bereits beim Check-In sagte uns die Verkäuferin, dass wir wahrscheinlich nicht nach Montenegro ausreisen können und am Zoll stiessen wir dann auf eine Wand. Der Zöllner ging gar nicht erst auf unsere Fragen ein, weswegen wir nicht nach Montenegro ausreisen können sondern schickte uns postwendend wieder weg. Es schien irgendeine Bestimmung der Italiener zu geben, welche es untersagte, dass EU Bürger ins Nicht-EU Ausland reisen können… Genau verstanden haben wir es nicht.

Nun war es abends nach neun Uhr und wir hatten keinen Schlafplatz mehr und die Unterkünfte in Bari schienen uns dann doch sehr teuer für eine so kurzfristige Nacht.
Wir fanden einen Camping einige Kilometer ausserhalb von Bari und dachten uns, wir haben Räder, düsen wir doch einfach hin.

So fanden wir uns als wir am Morgen erwachten inmitten eines lokalen Kinder Unterhaltungs- und Betreuungsprogrammes wieder…

Zwei Tage später versuchten wir unser Glück erneut. Wir konnten das Ticket umbuchen und hatten nun eine Verbindung direkt nach Kroatien. Einen weiteren Test brauchten wir voraussichtlich nicht, da sie in Kroatien die Impfung auch akzeptieren bevor zwei Wochen vergangen waren. Dieses Mal schien der Zöllner kein Problem mit der Weiterreise zu haben und so ging es los auf die nächtliche Überfahrt der Adria.

Die Nacht auf der Fähre war angenehm, wir haben mit unseren Matten einfach auf dem Flur geschlafen, wie einige andere auch und kamen am Morgen in Dubrovnik an.
Nun konnte unsere Reise beginnen und wir waren gespannt auf unser geplantes Insel-Hopping.

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