Wir haben inzwischen Guatemala, El Salvador, eine kleine Ecke Honduras und danach Nicaragua durchfahren. Neben Mexiko waren das die Länder, zu welchen wir uns einige Gedanken zum Thema Sicherheit gemacht haben. Die Seiten des Auswärtigen Amtes geben dabei einen Überblick, helfen jedoch nicht sehr dabei sich mit dem Gedanken einer Reise in diese Länder wohl zu fühlen.
Bereits in einem der letzten Texte zu Mexiko habe ich erwähnt, dass ich etwas nervös war vor der Reise in all diese Länder, fühlte mich aber nach einer Weile sehr wohl, vermutlich auch weil mein Spanisch nach einer langen Gebrauchspause nun recht gut zurückgekommen ist. Die Erfahrungen aus unserer Zeit in Mexiko halfen uns zudem zwar vorsichtig, aber trotzdem entspannt zu bleiben. Wir fühlten uns somit recht sicher in all diesen Ländern, bekamen aber doch einige spannende Geschichten zum Thema Sicherheit mit:
Die vermutlich witzigste war in unserer Unterkunft in Santa Ana in El Salvador. Nach einer Weile kamen wir mit dem Besitzer ins Gespräch und er wusste nicht nur viele spannende Dinge über Kaffee zu erzählen, sondern auch einiges über die aktuelle Situation in seinem Land. Er verstand es gut uns etwas die Angst vor den ansässigen Banden zu nehmen (wohl verstanden, dass diese sehr brutal sein können), da er wenn er mit Weissen unterwegs ist jeweils ihnen seine ganzen Wertsachen gibt. Das mit der Begründung, dass sie ihn als Salvadorianer wahrscheinlich eher ausrauben, mit einem Weissen jedoch lieber Englisch üben würden.
Interessant war auch der Besuch des einen von zwei Walmarts in El Salvador. Wir hatten etwas Mühe ihn zu finden, trotz des grossen Schildes an der Strasse, bis wir realisierten, dass er gut hinter Stacheldraht eingezäunt und einer Eingangskontrolle versteckt lag. Nicht nur der Walmart war jeweils gut bewacht, jede Bank und auch viele Läden oder Tankstellen hatten ihr eigenes Wachpersonal jeweils mit einer Schrotflinte bewaffnet. Im Lonely Planet war dazu zu lesen, dass es in Guatemala mehr privates (vermutlich auch bewaffnetes) Wachpersonal als Polizisten gibt. Uns schien das nicht nur auf Guatemala zu zutreffen sondern auch auf die darauffolgenden Länder…
Das eigene Empfinden der Sicherheit schien jedoch von den Menschen unterschiedlich wahrgenommen zu werden. An der Grenze zu Honduras meinte der Geldwechsler, dass man doch in den USA im Gegensatz zu hier nachts auf die Strasse kann, wohl auch weil er dachte, dass wir US-Amerikaner sind. Spannend war dabei daran zu denken, dass unser US-amerikanischer Gastgeber in Mexiko, als er noch in den USA wohnte, nachts nicht mehr raus ging, wegen zu vielen Verrückten mit Waffen. Nun in Mexiko traute er sich jedoch (wobei hier angemerkt werden muss, dass er in Mérida, einer der sichersten Stadt von Mexiko, lebt). In Nicaragua lies unsere Gastgeberin in einer kleinen Stadt ihre Töchter auch nachts noch raus, da es kein Problem sei, wobei Juli ab und an als sie alleine unterwegs war schon, zwar ungefährliche aber dennoch nervende Erfahrungen mit einigen Männern gemacht hat.
Berührend war der Besuch in einer Familie in El Salvador. Bruder, Schwester und ihre Mutter lebten gemeinsam und kümmerten sich zudem um die Kinder einer Cousine (soweit ich die Familiensituation verstanden habe). Die Cousine selber sass wegen Mitgliedschaft in einer Bande verurteilt im Gefängnis und das wohl für die nächsten 10 Jahre. Zurück blieben ihre 3 Kinder und ihre alte gebrechliche Mutter. Sicherheit bedeutet hier in diesen Ländern nicht nur Schutz vor Gewalt sondern auch ein stabiles verlässliches Umfeld, vor allem in der Familie. Ohne das scheint ein Überleben für viele Menschen schwer zu bewältigen zu sein…

Alles in allem sind wir gut durch diese Länder gekommen und haben wie so oft viele liebe Menschen getroffen. Sicherheit blieb eine schwer zu greifende Sache wobei wir als Reisende schlicht zu kurz in diesen Ländern unterwegs sind um wirklich Erfahrungen in diese Richtung zu machen. Schwierig bleibt es für die jeweiligen Menschen in diesen Ländern, die nicht ausweichen können oder wie bereits oft in den Nachrichten berichtet, ihr Land aufgrund der unsicheren Situation verlassen, um einen besseren Ort zu finden. Auch wenn wir bei weitem die Dinge nur oberflächlich betrachten konnten, erscheint es uns, dass hier in diesen Ländern der Staat seine Bürger wenn überhaupt nur sehr rudimentär schützt. Ob Krankheit, Gewalt, Alter, Arbeitslosigkeit oder was auch immer, oft bleibt den Menschen selbst überlassen eine Lösung zu finden.

Wir haben jedoch nicht nur traurige Dinge erfahren. Und auch die Menschen welche wir treffen durften liessen keineswegs ihren Kopf hängen. So möchten wir hier noch eine letzte wieder etwas erheiternde Anekdote teilen. Neben vielen Dingen zu Kaffee und Lebenssituation haben wir auch gelernt was in El Salvador „hacer un Suizo“ bedeutet. Übersetzt heisst das „den Schweizer machen“ und bedeutet einer schwierigen Situation oder Entscheidung aus dem Weg zu gehen. Ganz im Sinne der schweizer Neutralität also.

 

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