Nun ist es das zweite Mal während unserer Reise, dass wir zurück sind in den Tropen. Vor allem Sami war nicht sehr begeistert davon, aber um von Nord- nach Südamerika zu kommen gibt es nun mal keinen anderen Weg als durch die Tropen Mittelamerikas. Die Tage wurden wieder vermehrt heiss sowie manchmal feucht und die Nächte sind bloss eine kurze Erholung, wenn überhaupt. Noch eine grössere Herausforderung als die Hitze sind die unzähligen Insekten, welche sich in diesen Konditionen sehr wohl fühlen, wie Mücken und noch schlimmer blutsaugende Fliegen und Zecken. Noch in Yucatan in Mexiko sind wir ins erste Zeckennest gelaufen und das passierte uns noch einige wenige Male seitdem. Jedes Mal brauchten wir mehrere Tage um auch noch die letzte Zecke wieder loszuwerden. Unser Zelt ist leider nicht für die Tropen gemacht, was wohl keine Überraschung sein sollte, da es von einer schwedischen Firma weit weg vom Äquator produziert wird. Da die Nächte inzwischen meistens zu heiss sind um im Zelt zu schlafen suchen wir wieder andere Möglichkeiten. Manchmal finden wir kleine Unterstände im Feld unter welchen wir schlafen können, was uns wieder an Laos erinnert, wo diese Unterstände überall zu sein schienen. Meistens schlafen wir jedoch unter freiem Himmel und hoffen, dass es nicht regnet in der Nacht.

Wir könnten uns noch lange darüber beschweren, über die Hitze, das Schwitzen oder krabbelnde Insekten, jedoch erleben wir auch die wunderschönen Seiten dieser Region. Wir sind grosse Fans von unterschiedlichem Essen und den tropischen Früchten. Wir lieben Mangos, Ananas und Juli entdeckte, wie sehr sie Papaya Milchshakes mag. Neben den exotischen Früchten sehen wir auch manchmal exotische Tiere. Leider begegnen wir ihnen oft nur als tote Kadaver am Strassenrand. Manchmal jedoch begegnen wir ihnen wenn sie noch am Leben sind.
Ein grosses Highlight war der Besuch der Maya Ruine Tikal im Norden von Guatemala. Auch wenn unzählige Touristen die Ruinen jeden Tag besuchen, war doch das Gelände gross genug, dass sich die Menschen verteilen und es sich nicht überlaufen anfühlt. Die ganze Gegend ist zudem geschützt und bietet so vielen Tieren einen sicheren Unterschlupf. Als wir die Ruinen besuchten, waren wir nicht nur beeindruckt von den riesigen alten Tempeln sondern auch von den vielen Tieren welche wir im Urwald sehen konnten. Seit einer Weile hofften wir darauf endlich einen Tukan sehen zu können und nun hatten endlich wir Glück! Guatemala ist leider nicht nur ein Ort frischer Früchte, exotischen Tieren und beeindruckenden Ruinen, es ist auch ein sehr armes Land und in unserem Reiseführer haben wir gelesen, dass das meiste Farmland von nur wenigen Menschen besessen wird. Das heisst, dass die allermeisten Bauern welche hier arbeiten das für einen kleinen Lohn tun, welcher oft nur ca. 8 US Dollar am Tag entsprich. Sie können für sich keine Nahrungsmittel anpflanzen und so müssen diese 8 Dollar für die ganze Familie reichen.

Meistens essen wir unser Mittagessen in einfachen Restaurants oder Essenständen am Strassenrand und an einem Tag mochten wir das Essen besonders gerne. Deswegen wollten wir der Frau welche für uns gekocht hat ein Trinkgeld da lassen, mussten sie davon aber zuerst etwas überzeugen. Eine Stunde später realisierten wir, dass unser Plan einige US Dollar in die lokale Währung umzutauschen nicht funktionieren wird. Es gab keine Geldwechselstuben und die Bank wollte ebenfalls nicht tauschen. Zum Glück waren unsere Mägen bereits voll und wir hatten unseren Wasservorrat für die nächsten zwei Tage aufgefüllt, denn für den Moment hatten wir kein Bargeld mehr. Die nächste Bank welche vielleicht unser Geld tauschen könnte war mindestens einen weiteren Tag entfernt. Manchmal gibt einem das Leben jedoch gleich wieder zurück, was man gegeben hat. Am nächsten Tag sassen wir in einem weiteren kleinen Restaurant für das Mittagessen, wir hatten bereits eine Möglichkeit gefunden etwas Geld zu tauschen, lud uns ein weiterer Gast ein bevor wir selber bezahlen konnten. Er und seine Familie waren ursprünglich aus Guatemala, lebten nun aber in den Vereinigten Staaten und waren im Moment in ihrer Heimat zu Besuch. Am nächsten Tag wurden wir an einem steilen Hang von Rémi, einem französischen Radfahrer auf seinem Weg nach Panama überholt. Wir trafen uns im nächsten Ort zum Mittagessen und auch er lud uns am Ende zum Essen ein. Es war eine spezielle Erfahrung all dies Grosszügikeit erleben zu dürfen gerade als wir all unser Bargeld ausgegeben hatten.

Unseren letzten Stop vor der Grenze nach El Salvador war der kleine Pilgerort Esquipulas. Einige Wochen zuvor hatte Juli eine Nachricht ins Taizé Netzwerk der frühreren Freiwilligen geschickt und Karla hat sich bei uns gemeldet und uns zu sich eingeladen. Gemeinsam mit Pater Edgar organisierte sie, dass wir im Benediktiner Kloster bleiben konnen. Wir verbrachten zwei wundervolle Tage dort, schwelgten in alten Erinnerungen zu Taizé, sangen einen Abend lang zusammen Lieder aus Taizé, tauschten verschiedene Geschichten aus unserem Leben aus und besuchten einige interessante Orte in der Umgebung gemeinsam. Es war eine wunderschöne Möglichkeit für uns im Kloster zu bleiben, weil die Mönche dort eine gemütliche Oase der Ruhe geschaffen hatten. Unser Leben unterwegs ist oft begleitet von hektischem und lautem Verkehr und so tat es gut eine kleine Pause im Frieden und der Ruhe dieses Ortes zu haben.

Nun erreichten wir Santa Ana in El Salvador auch wenn die Grenzbeamten etwas sketptisch gegenüber uns waren, scheinbar wegen der Situation mit dem Coronavirus in vielen Teilen der Welt. Wir konnten sie jedoch davon überzeugen, dass wir schon eine Weile in Latinamerika unterwegs sind und deshalb weit weg von diesen Geschichten.

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