Die Strassen schlängelten sich nun wieder den Berg hinauf. Langsam änderte sich jedoch das Bild. Die vielen Kakteen und Agaven machten mehr und mehr grünen Bäumen, hohem Grass und Dickicht Platz. Bei unserem ersten Anstieg von Meereshöh weg wieder in die Berge hinauf wehte ein starker Wind. Manchmal angenehm kühlend erschwerte er jedoch auch öfters das Vorwärtskommen. Gerade gegen Ende des Tages wehten uns einige Böen glatt um. Chiapas begrüsste uns mit üppigem Grün und steilen Strassen. Leider war auch das Zelten nicht mehr ganz so einfach, da das Dickicht oder hohe Grass an vielen Stellen keine Möglichkeit liess ein Zelt aufzustellen. Wie schon in den letzten 19 Monaten fanden wir jedoch auch diese Mal immer einen Plätzchen. Wobei wir gerade im zweiten Teil von Chiapas auch wieder begannen herumzu fragen, aber dazu später mehr.

Auf unserem Weg durch die Provinz wollten wir drei Orten einen Besuch abstatten. Der erste war Tuxtla Gutierrez, die Hauptstadt von Chiapas. Wir kamen jedoch nicht wegen der Stadt sondern wegen des Cañon del Sumidero, der von hier gut zu erreichen war. Das Wasser hatte hier eine tiefe Schlucht zwischen die grünen Hügel gegraben und ist Herberge von Spinnenaffen, einigen Echsen und vor allem Krokodilen. Wir hatten Glück und unser Bootsmann erspähte schon früh ein in der Sonne liegendes Exemplar und fuhr uns in die Nähe. Schon beeindruckend das Viech. Einige Schnappschüsse später ging es weiter durch die wunderschönen Schluchten, manchmal erreichte selbst am Mittag die Sonne nicht den Grund und uns auf dem Boot und oft gestaltete sie mit ihrem Licht und Schatten ein wunderbares Spiel im Canyon. Gut eingespielt und abgesprochen fur am Ende eine fahrender Kiosk an uns vorbei und versuchte seine Waren loszuwerden.

In Tuxtla kamen wir in einer Casa de Ciclista unter. Ein Radshop vor Ort hatte noch etwas übrigen Platz im Gebäude und lies dort Radreisende übernachten. Gemeinsam mit Santi, einem Radreisenden aus Argentinien, verbrachten wir dort zwei Nächte. Santi war es, der mir ein spannendes Rezept für Kekse aus Leinsamen beibrachte. Er selber interessierte sich sehr fürs Kochen und wusste einige Dinge selber zu machen, so genossen wir einen Abend eine Gemüselasagne mit selbstgemachten Teigblättern. In Argentinien, so erzählte er uns, war es schwer solche Dinge wie Pasta oder Pizzateig fertig zu kaufen und so lernte er von seinen Eltern dies selberzumachen.

Den nächsten Stop legten wir zwei Tage später und 2400 Höhenmeter Aufstieg höher in San Cristobal de las Casas ein. Eine gemütliche Stadt im Kolonialstiel lud ebenfalls zum Verweilen ein. Zudem genossen wir noch einmal die kühlen Temperaturen in der Höhe bevor es wieder hinunterging in die tropischen feuchtheissen Tagen. Wir stellten mehr aus Zufall fest, dass wir hier in einer Kakaoregion gelandet waren. An vielen Ecken wurden die Bohnen in ganz unterschiedlichen Formen angeboten oder es war möglich einen Blick in die Weiterverarbeitung zu werfen (ganz wie in den Lindt-Werbevideos, wer diese kennt). So genossen wir in einem kleinen Café eine „richtige“ Schokolade mit Bohnen aus der Region.

Leider ging nicht alles rund… Am ersten Abend in San Christobal wollte ich noch schnell die letzten Fotos auf dem Computer bearbeiten als diesem plötzlich die Lichter ausgingen. Auch mit einigen Versuchen aller mir bekannten Tips und Tricks lies er sich nicht mehr zum Leben erwecken. Mir blieb nur der Gang zum Spezialisten, ein lustiger Techniker gleich neben der Unterkunft. Leider konnte auch er den Computer nicht wiederbeleben und wir verbrachten mehr Zeit damit uns über die guten alten Zeiten mit Windows 98 und dem ersten Internet zu unterhalten und festzustellen, dass die heutige Jugend schlicht keine Ahnung hat?!? Mein Computer trat seine Reise nach Mexiko Stadt zur Reparatur an und ich hatte einige Zeit mich mit anderen Dingen wie Keksebacken zu beschäftigen.

Nach einigen gemütlichen Tagen setzten wir unsere Reise Richtung Palenque fort. Wir wollten dort gerne die Ruinen besuchen und Weihnachten verbringen. Der Urwald wurde nun immer dichter und dichter dazu kam ein langsam einsetzender Regen. Die Temperaturen blieben angenehm kühl, jedoch setzte uns etwas die andauernde Feuchtigkeit zu. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltete sich zudem zunehmend sehr schwer. Die Strassen und Hänge waren steil und bewachsen, die einzigen freien Stellen dienten den Menschen zum Wohnen oder für Felder. So kam es, dass wir seit Langem in der Nacht in einem dunklen Dorf standen und nicht so recht wussten was wir tun sollten. Nach kurzer Zeit wurden wir jedoch angesprochen und sogleich eingeladen. Daniel schickte uns etwas bergab zu seinem Bruder Eliezer, er habe neben seinem Haus etwas Platz für unser Zelt. Die Ankunft wird uns wohl noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Als wir am Haus ankamen spähte sein Bruder aus dem Fenster heraus und lud uns sofort ins Haus ein um uns etwas am warmen Feuer zu trocknen, dabei schien es als würden wir bei einem alten Freund einkehren der schon auf uns gewartet hatte. Wir genossen den Abend gemeinsam mit ihren Familien und tauschten viele spannende Geschichten aus. Die Kinder mochten vor allem unsere selbstgebackenen Kekse und auch von den Erwachsenen bekamen wir ein wunderbares Kompliment. Die Kekse seien doch wie Lembas, das Elfenbrot aus „Herr der Ringe“, da sie wegen ihrer Zutaten sehr viel Energie enthalten. Nun entdeckten wir auch, dass in Chiapas nicht nur Kakao wunderbar gedeiht, sondern zur Freude von Juli auch Kaffee. Erstaunlich war dabei, dass die Bohnen beim Ernten weiss sind und erst ihre dunkelbraune Farbe mit dem Rösten annehmen. Kaffee, so versicherten uns unsere Gastgeber, sei ein wichtiges Getränk und die ganze Familie von gross bis klein scheint den Kaffee zu geniessen. Vielen Dank euch allen für diesen wunderschönen Abend und die Gastfreundschaft! Wir hätten gut noch einige Tage bleiben können und doch zog es uns weiter Richtung Palenque.

Nach einer weiteren Nacht mit einem spannenden Gespräch mit einem lokalen Bauern und viel Kaffee zum Frühstück, vermutlich 2 Liter, erreichten wir unser Ziel Palenque. Am Weihnachtstag besuchten wir die mystischen Maya-Ruinen und gönnten uns am Abend eine leckere Pizza im Restaurant. Leider war es noch immer recht bedeckt und feucht und wir hofften auf eine Verbesserung wenn wir Richtung Meer fahren.

In Campeche verbrachten wir die Zeit um Neujahr herum bei Jorge zu Hause, genossen die Sonne und vor allem die Gastfreundschaft von ihm und seinen Eltern. Zum Jahreswechsel waren wir bei seiner Familie eingeladen mitzuessen und zu feiern. Es gab sehr leckeres libanesisches essen, da sein Vater zwar Mexikaner aber mit libanesischen Wurzeln ist und viele spannende Gespräche zum Jahresende. Gemeinsam mit Jorge besuchten wir eine weitere Ruine der Maya und sind nun wieder unterwegs für unsere letzten Wochen in Mexiko.

Wir hoffen, ihr seid alle ebenfalls gut ins neue Jahr gestartet und dass ihr genauso gespannt seid was das neue Jahr so mit sich bringt.

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