Auf dieser Reise und natürlich auch schon davor bin ich vielen Menschen begegnet. Neben den wunderschönen Orten welche ich bereits sehen durfte, sind gerade diese Begegnungen das, was diese Reise und auch deren Form ausmachen. Jeden Tag mit dem Rad zu reisen bedeutet ausgesetzt und oft ungeschützt zu sein. Nicht nur gegenüber den Wetter- und Strassenbedingungen, sondern auch gegenüber den Menschen. Immer wieder sind wir auf deren Wohlwollen und Hilfe angewiesen, um unsere Schwierigkeiten zu lösen, Hindernissen zu überwinden oder unsere ganz alltäglichen Bedürfnisse zu stillen.

Immer wieder ergeben sich dabei sehr schöne gemeinsame Momente. Ob beim gemeinsamen Essen, erzählen oder gespannt dem Gegenüber zuzuhören um neues lernen zu dürfen. Daneben gibt es jedoch auch unangenehme Begegnungen, mal mehr, mal weniger. Gerade diese gehen mir manchmal mehrmals durch den Kopf, bis ich sie wieder gehen lassen kann.

In unangenehmen Situationen oder Begegnungen ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich mein Gegenüber nicht so behandle, wie ich gerne würde. Mal hege ich Vorurteile, bin abweisend, habe wenig Ausdauer und Geduld oder reagiere in manchen Situationen auch sehr wütend. Diese Reaktionen sind zwar aus meiner ganz eigenen Sicht nicht unbegründet oder unnatürlich und doch bin ich oft rückblickend nicht zufrieden.
Glücklicherweise findet auch das Gegenteil statt und ich bin sehr glücklich damit, wie wir miteinander umgehen konnten. Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Begegnungen ging mir bereits eine Weile lang die Frage durch den Kopf, was für mich in den Begegnungen mit den Menschen wichtig ist und was ich tun kann, um zufriedener daraus herausgehen zu können.

Positive gemeinsame Erlebnisse helfen mir, Menschen zu vertrauen und offen auf sie zuzugehen. Die negativen jedoch erschweren mir den Zugang zu meinem Gegenüber gerade auch dann, wenn sie einmal gehäuft auftreten. Oft braucht es erstmal Zeit diese zu verdauen. Daneben oder danach wurde es mir immer wichtiger, erneut zu versuchen mich auf das Positive in mir und anderen Menschen zu fokussieren. Das heisst auch daraufhin zu arbeiten, vermehrt mir und anderen Menschen positive Erfahrungen und Erlebnisse zu ermöglichen. In den Begegnungen bedeutet das für mich respekt- und liebevoll mit meinem Gegenüber umzugehen aber gleichzeitig auch zu meinen Bedürfnissen zu stehen und sie, wo nötig, angebracht mitzuteilen oder zu verteidigen.

Ein weiteres, für mich wichtiges Element ist, die Situation und mein Gegenüber verstehen zu können. Während dieser Reise von Europa Richtung Asien ein oft nicht ganz einfaches Unterfangen. Ein erstes Hindernis ist meistens die Sprache, welche sich unterscheidet und zweitens andere gelernte Werte oder Verhaltensweisen in einer Situation. Jedoch auch zu Hause war dies trotz gleicher Herkunft und Sprache nicht immer eine simple Aufgabe. Was ich immer wieder versuchen kann ist daran zu arbeiten offen zu bleiben, zu versuchen dem Gegenüber zuzuhören und mich so gut wie möglich in seine oder ihre Situation hineinzuversetzten. So meine Hoffnung kann die Empathie wachsen und wieder mehr Nähe zwischen den Menschen entstehen. Denn trotz unterschiedlicher Herkunft und Sprache scheinen mir meine menschlichen Bedürfnisse nicht so sehr von denen meines Gegenübers zu unterscheiden.

In alldem hoffe ich mit meinem Versuch von mir das Beste gegenüber meinem Nächsten zu geben, ihm damit auch die Chance zu geben das Gleiche zu tun.

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