Früh morgens stehen wir auf dem Poonhill und blicken gespannt auf die sich langsam aus der Dunkelheit lösende Bergkette vor uns. Der Annapurna 1 gibt sich mehr und mehr zu erkennen. Der mit 8091 Metern höchste Spitz der Annapurnas, welchen wir während unserer Umrundung des Annapurnamassivs gesehen haben. Der Annapurna Süd steht etwas davor und wirkt mit seinen 7219 Metern dadurch immer noch höher und imposanter. In der Nähe war auch der Dhaulagiri zu sehen, welcher mit 8167 Metern lange als der höchste Berg der Welt gegolten hatte.
Die Sonne beginnt langsam die obersten Spitzen anzustrahlen und wir geniessen den Anblick und kurzen Moment des Innehaltens. Es ist der letzte Tag auf unserer Wanderung in diesem Gebiet und so denken wir etwas zurück auf die 16 Tage voller wunderbarer Momente, Erfahrungen und Erlebnisse.

Unsere Räder und das meiste von unserem Gepäck liessen wir in Pokhara zurück und versuchten mit möglichst wenig unterwegs zu sein, um uns so das Wandern in den zwei bis drei Wochen zu erleichtern.
Mit dem Start in Besi Sahar, welches wir nach einer 5-stündigen Busfahrt erreichten, erreichten wir ein lang erwartetes Ziel. Endlich ganz in Nepal angekommen und auf unserer ersehnten Wanderung. Als einziger Unsicherheitsfaktor blieb, ob es möglich war die Umrundung ganz zu laufen. Etwa in der Mitte galt es einen Pass auf 5400 Metern zu erklimmen und wir waren unsicher ob das Wetter so lange mitspielen würde und der Pass schneefrei blieb und ob wir die Höhe ausreichend ertragen würden.

Die ersten Tage führten uns durch grüne, dicht bewachsene Hügel des Vorgebirges. Gerade während den ersten Tagen war das Wetter warm am Tag und kühlte etwas ab in der Nacht. Es hingen immer wieder Wolken in den Tälern und die Luft schien teilweise neblig und versperrte einem die weite Sicht.
Neben unserer offline Navigation auf dem Smartphone brachten wir eine Papierkarte mit und diese verhiess uns an unterschiedlichen Orten heisse Quellen. Sie zeigte uns auch die möglichen alternativen Wege, da sich mit dem Bau einer neuen Strasse ins Tal der klassische Weg etwas geändert hatte. So fanden wir uns am zweiten Tag auf einer wunderschönen aber auch sehr anstrengenden Strecke, auf und ab durch die Hügel. Unser Ziel war Jagat und die heissen Quellen. Wir wurden nicht enttäuscht. Die Quellen schienen vorwiegend von den Einheimischen besucht und bestand aus zwei betonierten Becken und einem Unterstand. Das Wasser konnten wir selber mit drei Wasserzuflüssen mischen, ganz nach unserem Temperaturgeschmack – ein Traum.
Um in den Genuss weiterer Quellen zu kommen, mussten wir uns zwei Tage gedulden. In Chame fanden wir die nächsten und konnten zudem gleich in der Unterkunft daneben übernachten und mussten nicht, wie in Jagat, zuerst 100 Meter zum Fluss absteigen.

Stück um Stück wichen das satte Grün, die Bambuspflanzen und Laubbäume Steinen und Nadelbäumen. Mit jedem Tag stiegen wir etwas mehr in die Höhen des Himalaya auf. Nicht nur die Vegetation änderte sich langsam auch die gelebte Kultur ging langsam vom hinduistischen zu tibetisch buddhistischem Glauben über. Zu erkennen war das am Auftauchen von Chorten an unterschiedlichen oft ausgesetzten Orten, Gebetsfahnen und Gebetsmühlen in den Dörfern.
Zusätzlich wurde es mit jedem Tag etwas kühler und in der Nacht mehr und mehr kalt. Auch die Luft verdünnte sich zunehmend und so legten wir in Manang auf 3500 Metern einen Tag Pause ein um uns an die Höhe zu gewöhnen.
In dieser Höhe schlief ich etwas schlechter, da ich den Eindruck hatte beim Einschlafen nicht mehr genug Luft zu bekommen. Einige Male wachte ich auch auf und brauchte einen Moment oder öffnete die Tür zu unserer Unterkunft um etwas frische Luft hinein zu lassen. Abhilfe schuf auf dem Rücken zu liegen und konsequent durch den Mund zu atmen.
Wir fühlten uns trotzdem ausgeruht und fit und stiegen deshalb weiter Richtung Tilicho Lake auf. Ein zwei- bis dreitägiger „Umweg“ zur regulären Route. Das Basecamps des Sees lag auf etwas über 4100 Metern in einem nur zu Fuss erreichbaren Tal und sollte uns neben dem schönen See auch noch einmal die Möglichkeit geben uns an die Höhe zu gewöhnen.
Nach einem etwas langem aber trotzdem wunderschönen Tag kamen wir im Basecamp an und wollten uns etwas ausruhen. Etwa nach einer halben Stunde lag Juli vor Kälte schlotternd und total erschöpft im Bett. Wenige Zeit später kam starkes Kopfweh und Übelkeit hinzu. Wir wussten beide, dass sie wohl stark auf die Höhe reagiert, waren uns aber nicht sicher wie gefährlich die Situation einzuschätzen war. In unseren Köpfen geisterte herum, dass akute Höhenkrankheit durchaus sehr lebensbedrohlich sein und ein sofortiges Absteigen erforderlich macht. Ich versuchte mich bei den nepalesischen Guides vor Ort und dem Koch nach möglicher Hilfe zu erkundigen, leider erntete ich mehr bemitleidende Blicke und unpassende Kommentare, etwas im Sinne von ihr dummen unerfahrenen Touristen, anstatt wirkliche Unterstützung. Mit viel Vehemenz und Beharrlichkeit bekam ich wenige Infos, die mir kaum weiter halfen. Es war klar, dass wir bis zum nächsten Morgen im Basecamp festsassen, es keine Pferde zum Wegkommen gab, schon gar kein Helikopter und auch keine Kommunikationsmöglichkeiten. Davon waren wir in einem so von Touristen überrannten Ort doch sehr überrascht.
Glücklicherweise verbesserten zwei warme Schlafsäcke, viel Trinken und warme Suppen den Zustand von Juli ziemlich bald wieder. Und eine Nacht Schlaf brachte sie zu alter Frische zurück. Und es schien am nächsten Tag fast als wäre nichts gewesen, worüber wir beide sehr dankbar waren.

In den folgenden Tagen stiegen wir weiter auf um schlussendlich über den Thorung La Pass, der höchsten Stelle auf der Umrundung, zu kommen. Die Nadelbäume wichen nun nacktem oder schneebepudertem Fels und die Sicht ins Tal war mehr als einmal wunderschön und spektakulär. Wir machten zudem Bekanntschaft mit einigen weiteren Reisenden, welche auf der Runde unterwegs waren und taten uns mit unterschiedlichen Gruppen für jeweils ein, zwei Tage zusammen bis sich die Ziele und Wege wieder trennten. Auch wenn wir uns zu zweit wunderbar verstehen und wir es ebenso sehr gut miteinander aushalten, war es doch auch schön wieder einmal andere Menschen aus der selben Region dieser Welt zu treffen und zu quatschen. Wunderbar war auch das Teilen und sich gegenseitig unterstützen. Gerade der Tag über den Pass war für uns alle sehr lange und anstrengend. Auch mit der Höhe hatte doch der eine oder andere etwas Mühe. Unterwegs gabelten wir einen chinesischen Reisenden auf, welcher kaum mehr vom Fleck kam. Sein Gepäck konnten wir ihm abnehmen und unter uns aufteilen, so schafften wir es gemeinsam wohlbehalten und sehr zufrieden über den Pass. Vielen Dank an dieser Stelle für die gegenseitige Unterstützung und die wunderbare Zeit zusammen!

Auch wenn wir es nicht so sehr erwartet hatten, zeigte sich der Pass doch als Höhepunkt der Umrundung und so wurde es auf der zweiten Hälfte wieder etwas ruhiger. Auch schien die zweite Hälfte etwas weniger touristisch zu sein und die Anwohner auf der Strecke wieder etwas offener und fröhlicher. Die Vegetation war trockener und karger als noch auf der anderen Seite, wandelte sich dann aber wieder in das dichte Grün je tiefer wir wieder abstiegen.
Als Abschluss lag noch einmal ein ziemlicher Aufstieg zum Poonhill hoch vor uns. Je näher wir unserem letzten Ziel kamen, desto touristischer wurde es wieder und wir realisierten, dass der Poonhill von Pokhara aus als „kleine“ Wanderung wohl für viele Leute attraktiv war, musste man doch so nur ein paar Tage einrechnen, um eine wunderbare Sicht auf das Annapurnamassiv zu haben.

Früh morgens stiegen wir aus unseren Betten und liefen die letzten Höhenmeter hoch zum Poonhill und wir wurden nicht enttäuscht. Ein weiterer wunderschöner Tag erwartete uns mit klarer Sicht und Sonnenschein. Ein gelungener Abschluss unserer Runde rund um die Annapurnas.

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