Um uns noch ein, zwei der leckeren süssen Bällchen zu gönnen stoppten wir in einem Dorf. Wenige Minuten nachdem wir angehalten haben sprach uns ein lachender älterer Herr mit „are you enjoying the smoke?“ an. In der Tat, seit wir Lahore verlassen hatten nahm der Rauch und Staub in der Luft ständig zu. Um nach Neu Delhi zu kommen fuhren wir auf etwas kleineren Hauptstrassen durchs Land um dem grössten Verkehr auszuweichen. Die Strasse führte durch ländliches Gebiet und es wechselten sich Felder mit Dörfern und kleinen Städten ab. Wir schienen gerade den Moment erwischt zu haben an welchem die Felder geerntet und die Stoppeln abgebrannt wurden. So stiegen immer wieder kleinere und grössere Rauchsäulen zum Himmel und die Luft verwandelte sich mehr und mehr in eine neblig dicke Substanz. Und so kamen wir in einem Dorf, süsse Bällchen kauend, mit diesem freundlichen Herrn ins Gespräch.

Unterwegs auf der Strasse wurden wir oft angesprochen. Meistens wollten die Leute wissen woher wir kommen und wohin wir gehen. Und natürlich wurden wir immer gefragt nach einem „Selfie“. Die technische Revolution hat auch vor Indien nicht halt gemacht und so hat es sich scheinbar auch hier etabliert mit spannenden und ungewöhnlichen Dingen und Leuten unbedingt ein Selfie zu machen. Einfach ein Foto zu schiessen schien oft nicht genug und so wollten uns auch einige Leute mitten in voller Fahrt für ein Selfie anhalten, was wir jedoch meistens freundlich ablehnten.
Leider ist auch in Indien die Kommunikation oft erschwert, da wir keine der unzählig gesprochen Sprachen sprechen oder verstehen. Und doch wie der lustige ältere Herr gab es manchmal überraschende Begegnungen mit Menschen, von welchen wir nicht erwartet hätten, dass sie Englisch sprechen.

Wir sind in der Provinz Punjab in Indien gestartet. Hier leben vor allem Menschen, die der Sikh Religion angehören und durch ihre bunten Kleider und Turbane auffallen. Bei all diesen wunderschönen und beeindruckenden Gesichtern und Farben konnte ich mich nicht zurück halten und sprach immer wieder bei Gelegenheit die Leute an, ob ich von ihnen ein Foto machen darf. So auch einmal im Nirgendwo auf der Strasse, als wir einem älteren Bauern begegnet sind. Ich machte mir schon Gedanken, wie ich ihn fragen sollte da tauchte sein Bruder auf und sprach uns, zu unserem Erstaunen auf Englisch an. Er arbeitete eine lange Zeit in verschieden Ländern ausserhalb von Indien. Und doch gefiel ihm das Leben in seiner Heimat am besten, so dass er zurückkam und in Indien blieb.Im Norden der Provinz in der Stadt Amritsar befindet sich der wichtigste Tempel der Sikh. Nach unserem Grenzübertritt von Pakistan nach Indien war dies der erste Ort welchen wir besuchten. Wir waren beide beeindruckt von den vielen Farben der Gewänder der Menschen, die den Tempel besuchten und natürlich auch von der Anlage selber, welche wunderschön gestaltet ist. In einem riesigen Innenhof befindet sich ein See und in der Mitte der goldene Tempel. Wie auch in anderen Tempeln (Gurudwaras) konnte man als Reisender oder Pilger kostenlos, bzw. mit einer kleinen Spende übernachten und bekam zu essen.
Mehr über Zufall kamen wir an einem anderen Abend an einem Tempel an. Wir hatten uns nach Übernachtungsmöglichkeiten durchgefragt und wurden dorthin gebracht. Im Tempel angekommen brachte man uns zum Guru und gemeinsam mit ca. 15 Schülern vor Ort tranken wir Tee, assen Kekse, beantworteten Fragen zu unserer Reise und schossen natürlich viele Selfies. Wir rechneten damit in einem kleinen Nebenzimmer untergebracht zu werden, jedoch schien der Guru so von uns angetan, dass er uns kurzerhand in sein altes Zuhause zu seiner Schwester brachte und uns dort schlafen liess. Am nächsten Morgen bekamen wir als Segnung für unsere Reise je einen Schal mit auf den Weg. Ein berührender Moment.

Neben den vielen netten und witzigen Begegnungen hatten wir leider eine Nacht scheinbar recht Pech. Da das Land sehr dicht besiedelt ist und zudem viel Smog in der Luft ist, entschieden wir uns jeweils dafür einen Schlafplatz in einer einfachen Unterkunft zu suchen. Einen Abend stoppten wir in einem kleinen Betrieb am Strassenrand. Sie boten einfache Räume an und Essen. Da wir keine grossen Ansprüche haben blieben wir dort. Die Tür zum Zimmer war etwas lädiert und liess sich nicht komplett schliessen und auch nicht abschliessen. Bis um 2 Uhr morgens machten wir uns dazu auch keine Gedanken. Juli erwachte um diese Zeit da jemand sie anzufassen begonnen hatte. Sie schimpfte ihm laut davon und ich, aus dem Schlaf und dem vom Bett aufgesprungen versuchte den Übeltäter zu erwischen, der jedoch mit leichtem Vorsprung nicht mehr einzuholen war.
Am nächsten Morgen waren wir dann nicht schlecht überrascht dieselbe Person unter den Mitarbeitern der Unterkunft zu erkennen. Auf seine Aktion von der Nacht zuvor angesprochen hatte er nur ein Grinsen übrig. Auf unserem weiteren Weg trafen wir auf eine Polizei Patrouille und entschieden uns dafür sie zu informieren. Trotz Sprachschwierigkeiten konnten wir uns erklären und trafen auf eine sehr hilfsbereite Truppe, welche mit uns zurückkehrte und versuchte den Fall aufzuklären. Leider hatte sich der Übeltäter abgesetzt und war am selben Tag nicht mehr auffindbar. Vielen Dank an dieser Stelle an die Polizei von Haryana und die Menschen, welche mit der Übersetzung geholfen haben.

Wir konnten zum Glück die unangenehme Situation gut verdauen und waren bald wieder bereit über die vielen spannenden Dinge hier in Indien zu staunen und uns zu freuen. Geholfen haben auch die Begegnungen mit vielen neugierigen aber auch sehr freundlichen Menschen. So trifft man immer wieder jemanden der etwas Englisch kann, interessiert nachfragt und auch erzählt.

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