Wir sitzen gerade in einer gemütlichen Couch in einem Guesthouse in Kerman. Später werden wir einen Bus nehmen, welcher uns an die Grenze von Pakistan bringt und so ist es gerade ein Moment der Reflexion. Wir blicken zurück auf die Dinge, welche wir in den letzten zwei Monaten hier erlebt haben.

Wie wir schon in einem früheren Blogpost erwähnt haben, hat der Iran eine tief verwurzelte Kultur der Gastfreundschaft und die meisten Iraner, welche wir treffen, sind sehr neugierig. Das heisst, dass wir täglich mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Auch wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Menschen es gut mit uns meinen und uns etwas gutes tun möchten, bedeutet das nicht zwingend, dass ihre Auffassung der Dinge die uns gut tun auch zwingend das ist, was wir brauchen. Somit können die Begegnungen auch ermüdend sein.
Nach zwei Monaten im Iran sprechen wir nach wie vor kaum Farsi und das Englischvokabular der Mehrheit der Iraner scheint sich auf „Hello“ und „what country“ zu beschränken. Das wir keine gemeinsame Sprache sprechen ist eine grosse Einschränkung und macht es sehr schwierig, Missverständnisse aufzuklären. Ich kann mich nur an einen Vorfall erinnern, welchen wir tatsächlich mit Hilfe von Google Translate auflösen konnten. Ein älterer Mann versuchte Juli ins Gesicht zu fassen, reflexartig wischte sie seine Hand zur Seite und begann ihm verärgert auf Deutsch zu schimpfen. Er schien von ihrer Reaktion beleidigt zu sein, obwohl wir beide genau wussten, dass es im Umgang hier sehr unüblich ist, dass ein Mann eine Frau einfach anfasst. Und unabhängig kultureller Begebenheiten ist es noch immer die Entscheidung von Juli, wer sie anfassen darf und wer nicht. Unsere Vermutung war, dass der Mann davon ausging, dass es für Frauen aus Europa andre Regeln gebe als für Iranerinnen. Nach unserem Erklärungsversuch via Google Translate hofften wir, dass er verstanden hatte, wie wir die Spielregeln im Umgang mit Frauen sehen.

Vorkommnisse wie diese, speziell wenn wir nicht die Zeit oder Möglichkeit haben sie aufzuklären, erschweren es uns die Zeit hier im Iran wirklich zu geniessen. Wir haben trotz allem viele wunderbare Menschen kennen gelernt und den gemeinsamen Austausch sehr genossen. Genug Zeit und eine gemeinsame Sprache (oder mindestens den gegenseitigen Versuch sich verstehen zu wollen) zu haben, waren wohl rückblickend die wichtigsten Voraussetzungen für die positiven Begegnungen. Da wir immer unterwegs sind, fehlt uns oft die Zeit um uns auf alle diese Begegnungen einzulassen. Zudem braucht es sehr viel Energie sich ununterbrochen den Menschen um einem herum anzunehmen und keine Möglichkeit zu haben sich dem zu entziehen.

So tat es gut zwischendurch Orte mit vielen weiteren Touristen zu besuchen um unter ihnen etwas unterzugehen. Nach der Wüstenstadt Yazd sind wir nach Shiraz, die Stadt der Poesie, geradelt und besuchten auf dem Weg die antike Stadt Persepolis. In den ersten Wochen im Iran hatten wir die Möglichkeit das Kaspische Meer im Norden zu besuchen. Nun konnten wir unsere Reise quer durchs Land mit einem kurzen Besuch der farbenprächtigen Insel Hormuz, im Süden des Landes, am Persischen Golf abrunden.

Der Iran war ein Land vieler Kontraste, Herausforderungen und voller interessanter Details. Einige Hindernisse waren erstaunlich einfach zu überwinden, in anderen Situationen hingegen war es schwierig für uns zu verstehen, weshalb es so kompliziert sein muss, wenn für uns die Lösung doch schon auf der Hand liegt. Natürlich wissen wir, dass gewisse Dinge an unterschiedlichen Orten verschieden funktionieren und Menschen auch mannigfaltige Herangehensweisen haben. Durch den Iran zu radeln war rückblickend sehr interessant trotz der strapaziösen Übung in Geduld und Flexibilität.

Nun sind wir gespannt darauf Pakistan und Indien zu bereisen und natürlich auch darauf, wie wir dort mit den kulturellen Unterschieden zurecht kommen.

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