Seit unserem letzten Blogeintrag sind wir wieder ein ganzes Stück weiter vorgerückt Richtung Osten und befinden uns mittlerweile in der Stadt Van, was gleichzeitig auch unser letzter Stop vor dem Iran ist. Nach unserer Zeit in Kappadokien sind wir über einige wunderschöne Bergpässe nach Malatya gefahren, wo wir einige Tage bei Yildiray couchsurfen durften. Er hat sich als unser Gastgeber sehr viel um uns gekümmert und war begeistert davon, uns möglichst viel von seiner Stadt und der Umgebung darum herum zeigen zu können. Dabei liess er es sich nicht nehmen, uns in mehrere recht schicke Restaurants einzuladen. An diesen Aspekt der Gastfreundschaft müssen wir uns erst noch gewöhnen, weil wir doch immer wieder merken, wie sehr wir geprägt sind, nicht zu viel anzunehmen. Wohler haben wir uns dann an dem Abend gefühlt, an dem wir einfach ein wenig Fleisch gekauft haben und diese in eine Bäckerei schicken liessen, wo sie dann im riesigen Steinofen Pide und Lahmacun für uns gebacken und Gemüse gegrillt haben. Vielen Dank, Yildiray, für die schöne und kulinarisch sehr vielfältige Zeit in Malatya!

Danach hat uns unser Weg in den mehrheitlich kurdischen Osten der Türkei geführt. In der Region um Tunceli, das einen wunderschönen Nationalpark am Munzur Fluss (Munzur Vadisi) zu bieten hat, fanden wir auf einem Bauernhof einen Couchsurfing Host für einige Tage. Bevor wir allerdings die letzten Kilometer und nochmal recht anstrengenden Höhenmeter bis dorthin überwinden konnten, wurden wir von einer zivilen Polizeistreife zwar freundlich, allerdings recht bestimmt dazu aufgefordert, auf die Polizeistation mitzukommen. Dort wurden wir dann knapp drei Stunden befragt und unsere Radtaschen sowie Samis Kamera durchsucht. Mit der Zeit dämmerte es uns, dass sie wohl den Verdacht haben müssen, dass wir Kontakt zu Terroristen haben oder diese in irgendeiner Art und Weise unterstützen. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätten wir wohl ungläubig gelacht. Am Ende liessen sie uns dann doch unbescholten unseren Weg weitergehen – vielleicht sind sie zu der Erkenntnis gekommen, dass wir doch recht uneffektive Terroristen abgeben würden mit unserer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15kmh… Durch das Verhör also recht verspätet sind wir dann bei Candan und ihrer Familie abends auf dem Bauernhof angekommen und haben uns vom ersten Moment an wohl und sehr schnell auch daheim gefühlt. Unsere Tage dort waren häufig entspannt und ruhig und haben uns Gelegenheit gegeben, unsere Kraftreserven wieder aufzubauen. Candan und ihr Vater haben es sich natürlich trotzdem nicht nehmen lassen, uns ihre Lieblingsorte zu zeigen. Gemeinsam sind wir am Fluss entlang durch den wunderschönen Munzur Vadisi Nationalpark gefahren und haben einen für die alevitischen Muslime heiligen Ort bei Ovacik besucht. Dort sprudeln am Fusse eines Berges zahlreiche Quellen aus dem Boden, was vor allem in dieser ansonsten sehr trockenen Region ein wahrer Schatz ist. An einem anderen Tag sind wir quer durch die Berge gefahren um einigen Stunden in heissen Quellen zu entspannen. Im Frauenbecken gab es die „Live-Musik“ gleich dazu – ab und zu stimmten eine Gruppe älterer Frauen kurdische Volkslieder an. Auch dir, liebe Candan, vielen Dank für die herzliche Gastfreundschaft!

Auf der Karte war uns bei Tatvan der riesige Vulkankrater Nemrut Dagi aufgefallen und schnell war die Entscheidung gefällt, dass wir dort eine weitere Pause auf unserem Weg einlegen wollen. Naturgemäss lagen dazwischen allerdings noch einige Höhenmeter, die es zu bewältigen gab, bevor wir endlich oben am Rand standen und mit eigenen Augen die gigantische Natur bestaunten. In dem Krater haben sich mehrere Seen gebildet und an einem konnten wir neben einem improvisierten Teehaus zelten. Der Besitzer war zwar eigentlich nicht unser Gastgeber, aber das änderte nichts daran, dass er sich rührend um uns kümmerte. So lud er uns zum Essen ein, zeigte uns nachts eine Stelle im See mit warmem Wasser zum Waschen und massierte all die schmerzenden Stellen am Rücken und an den Beinen. In der zweiten Nacht profitierten leider allerdings auch noch zwei andere Besucher von dieser Gastfreundschaft: wir hatten zuvor eine Melone geteilt und er hat die übriggebliebene Schale in der Nähe verteilt für die Schildkröten. Leider sind dann allerdings nicht Schildkröten aufgetaucht, sondern zwei Schwarzbären, die zu allem Überfluss überhaupt nicht schüchtern waren und sich nicht wirklich verjagen liessen und uns dementsprechend eine recht unruhige Nacht beschert haben.

Die selbstverständliche Gastfreundschaft der vielen Menschen, denen wir in der Türkei begegnet sind, berührt uns immer wieder aufs Neue. Es ist ein schöner Weg die Begegnung miteinander in den Fokus zu rücken und sich näher zu kommen. In unseren Blogeinträgen erzählen wir immer nur einen sehr kleinen Ausschnitt von all den Begegnungen – aber es ist schon erstaunlich, dass wir wahrscheinlich kaum vom Fleck kämen, würden wir alle Einladungen zum Teetrinken annehmen…

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