Nach den wunderschönen Tagen in Istanbul hat es gut getan wieder etwas in die Natur zu kommen. Für mich (Sam) waren es dann doch auch etwas viele Menschen und Eindrücke in dieser grossen Stadt. Wir waren uns unsicher, welchen Weg wir Richtung Kappadokien einschlagen sollten und stiessen beim Nachlesen im Reiseführer auf das Tal der Phrygier. Es klang verheissungsvoll nach Kultur, alter Geschichte und ruinenhaften Überbleibseln und so entschieden wir uns für eine Route die uns südlich von Ankara vorbeiführen sollte.

Ich (Sam) war diese Tage etwas angeschlagen, zum einen etwas müde, da ich in Istanbul etwas wenig geschlafen hatte und geplagt von einem leichten Durchfall. Wir wollten eigentlich bis ins gewünschte Tal durchfahren, jedoch fehlte mir etwas die Motivation und Kraft dazu. Gleichzeitig bot sich aber auch kein schlauer Ort, um noch eine Pause einzulegen.
Am dritten Tag fuhren wir durch die kleine Stadt Bilecik und wollten gerade etwas einkaufen, da sprach uns ein junger Mann an. Er habe uns vorbeifahren sehen und ob wir nicht bei ihm übernachten wollen. Er nehme bei sich immer wieder Radfahrer auf und somit wäre er auch gerne unser Gastgeber. Wir waren doch beide sehr überrascht, als wir herausfanden, dass wir im selben Jahr und Monat auf die Welt gekommen sind und Winterthur als gemeinsame Stadt haben. Er wurde dort geboren und lebte 3 Jahre lang da und ich lebte 10 Jahre in der Stadt. Es tat gut noch eine unverhoffte Pause zu habe und unser Gastgeber Hakan wusste viel über die Stadt Bilecik zu erzählen, vielen Dank für alles! Untergebracht waren wir in einem kleinen alten Fussballstadion, für einmal etwas ganz anderes.

Weiter in den Hügeln erreichten wir das Tal der Phrygier. Ein echter Geheimtipp, da noch kaum von Touristen entdeckt und nun wegen seiner schlichten Schönheit und Ruhe eines unserer Highlights der bisherigen Reise. Die Natur ist wunderschön. Die Hügel sind mal sanft ansteigend mal von steilen Felsen gesäumt. Kleine, buschige Bäume wachsen immer wieder in der sonst kargen und trockenen Natur. Alles ist in erdigen Tönen von gelb und braun gehalten. Und inmitten dieser Natur finden sich immer wieder alte Behausungen der Phrygier in den Stein gehauen. In Cukurca inmitten der Täler verbrachten wir zwei Tage auf dem Campingplatz Midas Han. Ein sehr gut gepflegter überschaubarer Camping auch mit Möglichkeit in dem grossen Haus als Hotel oder Hostel zu übernachten.
Die Überbleibsel der phrygischen Kultur luden immer wieder zum Staunen ein, wie sie wohl vor ca. 4000 Jahren all diese grossen und kleinen Gebäude aus dem Fels hauen konnten? Leider ist vieles schon ausgewaschen und es bleibt einem nur die Phantasie, wie es wohl einmal in seiner ganzen Pracht ausgesehen haben muss.

Unsere Reise führte weiter aus dem Tal und bald Richtung Osten der Türkei mit dem Ziel Göreme in Kappadokien. Wir verbrachten 6 Tage unterwegs und fuhren durch eine grosse Ebene rund um Konya. Die Gegend war voll von grossen Farmindustrien und so kamen wir immer wieder durch kleinere unscheinbare Dörfer.
Gerade wenn wir durch viele kleine Dörfer fahren nutzen wir die ebenso kleinen Läden um einzukaufen. So ist es zwar immer wieder etwas schwierig die einzelnen Dinge zu finden, manchmal muss man geradezu in unterschiedlichen Läden suchen, aber dafür können wir die lokale Bevölkerung ein klein wenig unterstützen. Es kann jedoch auch anders herum sein. In einem kleinen Laden liess uns die Verkäuferin einfach nicht gehen und sagte, dass wir sitzen bleiben und bei ihr Frühstücken. Leider konnten wir mit ihr kaum sprechen weil unser, oder eher Julias Türkisch, dafür noch nicht ausreicht. Am Ende wollte sie kein Geld für das Frühstück und den Einkauf gab sie uns auch zu einem günstigeren Preis.
Eine weitere berührende Begegnung war mit drei Bauern aus einem Dorf an dessen Rand wir unser Zelt aufgeschlagen hatten. Am frühen Abend kamen drei Jungs vorbei und beobachteten uns staunend beim Zeltaufbauen und kochen. Sie wurden später abgelöst von einem älteren Bauern mit seinen zwei jüngeren Verwandten. Alle mit Smartphones ausgestattet versuchten wir so gut es ging mit Googleübersetzter zu kommunizieren und die gegenseitigen Fragen zu beantworten. Es war wunderbar so das gegenseitige Interesse aneinander zu teilen.
Neben diesen zwei besonderen Erlebnissen wurden wir gerade in der letzten Woche immer wieder angesprochen oder zu Tee eingeladen. Oft müssen wir ablehnen um doch noch etwas mit den Rädern vorwärts zu kommen – wenn sich jedoch die Gelegenheit und Zeit bietet, sind es immer wieder spannende Begegnungen.

 

 

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