Und plötzlich hatten wir ein kleines Küken in der Hand, auf einer Couch sitzend, bei einer Familie in einem kleinen Dorf in Rumänien. Noch kurz zuvor sassen wir in der Mitte des besagten Dorfes auf einer Bank und bereiteten unser Frühstück vor. Wir hatten in der Nähe wildgezeltet, jedoch war es uns zum Sitzen dann doch noch etwas zu nass am Morgen. Die Tage waren immer sehr warm und mit viel Sonnenschein, jedoch auch mit täglichen Gewittern. So bildete sich, gerade in der Früh viel Feuchtigkeit, die jeweils eine Weile liegen blieb.
Der Bewohner des Hauses hinter unserer Frühstücksbank hat uns gesehen und sogleich zu sich nach Hause eingeladen. Es war der lokale Pfarrer, welcher mit seiner Frau und vier Kindern hier wohnte. Wie viele Menschen hier in Rumänien, hatten auch sie einen eigenen Garten und einige Tiere, vor allem Hühner. Einige kleine Küken waren frisch geschlüpft und so bekamen wir jeweils so ein kleines flauschiges Wesen auf die Hand. Bald hatten auch die Kinder sich jeweils eines geschnappt, die einen etwas sanfter die anderen etwas ruppiger.
Beide Eltern konnten etwas Englisch, sie hatten in Cluj studiert und so konnten wir uns unterhalten und über Land und Leute austauschen.

Auf unserer Reise durch Rumänien wurden wir bisher immer wieder von Menschen unterwegs angesprochen, oft war die Verständigung jedoch schwierig, da wir weder Rumänisch noch, was in Transsilvanien oft gesprochen wird, Ungarisch sprechen. Manchmal begegnen wir jedoch Leuten welche eine Weile lang im Ausland gelebt haben und noch eine zweite Sprache sprechen.
Wie ein älterer Mann in einem kleinen Dorf, der uns sein kleines Haus, ebenfalls mit Garten und Hühnern zeigte und unsere Wasserflaschen an seinem Brunnen auffüllte. Er war längere Zeit in Belgien und so war Französisch unsere gemeinsame Sprache. Oder ein weiterer Mann, der uns anhielt und nach einem kurzen Gespräch in gebrochenem Deutsch begann sein Dorf zu zeigen und die Werkstatt seines Sohnes. Darauf war der ältere Herr gekommen, da ich aus der Schweiz bin. Sein Sohn baut Milchautomaten, welche unter anderem auch in der Schweiz, in der Nähe von St. Gallen verkauft werden. Ein Schweiz Rumänien Projekt wie er betonte.
Die Begegnungen hatten manchmal einen berührenden und oft auch witzigen Charakter. Auf dem Weg durch ein weiteres kleines Dorf, in Rumänien gibt es viele kleine Dörfer, hielt uns ein Mann an und begann uns von seinem Glauben zu erzählen. Vor allem davon, dass es wichtig ist, nicht einfach in die Kirche zu gehen, sondern etwas zu tun und sich gut um die Menschen um sich herum zu kümmern. Zum Schluss schenkte er uns einen Energiedrink mit Namen Hell, was uns dann doch auch etwas schmunzeln lies.

Vor etwa 10 Tagen sind wir in Rumänien angekommen und tauchten seither in das vielfältige und oft einfache Leben dieses Landes ein. Es ist ein Gefühl und eine Erfahrung von sich langsam von Bekanntem entfernen und nach und nach ein Leben entdecken, welches in Teilen anders funktioniert wie das uns bekannte. An der Grenze wurden wir nun das erste Mal kontrolliert und stellten danach etwas erstaunt fest, dass wir uns zwar noch in der Europäischen Union befinden aber nicht mehr im Schengen Raum. Also nicht mehr innerhalb des Teiles von Europa, in welchem die Grenzen grundsätzlich offen sind.
Viel spannender aber ist wie sich das Leben der Menschen abspielt, mindestens das was wir von aussen beobachten und in manchen Fällen erfragen können. Teilweise kommt es uns wie eine Zeitreise vor, eine Zeitreise vielleicht 60 Jahre zurück. Auf den Strassen begegnen uns immer wieder kleine Pferdewagen, dass diese dann trotz der Holzbauweise doch nicht ganz so alt sein können, erahnen wir, da sie meistens auf Autoreifen fahren. In den kleinen Dörfern finden sich auch immer wieder gegrabene Brunnen, manchmal mit einer Seilwinde und manchmal mit einem langen Arm um das Wasser aus dem tiefen Loch zu heben. Einige scheinen aber auch gebohrte Brunnen zu haben, ein tiefes Loch in den Boden nur zu erkennen an der herausstehenden Leitung und einem Wasserhahn. Von solchen Brunnen haben wir zumindest einige Male auch Wasser bekommen, was in der Regel einiges besser schmeckte als aus den alten Rohren in der Stadt. Neben den Hühnern, begegnen uns auch immer wieder andere Tiere, ganz oft auch an der Strasse. So sehen wir Pferde angebunden an einem Pfahl grasend oder Kühe die sich langsam trottend langsam am Strassenrand entlang fressen. Spannend zu sehen waren auch grosse Schafherden, welche oft von einem Hirten mit einem oder mehreren Hunden gehütet wurden. Gerade in den Bergen, so haben wir gehört, hätten Hirten oft mehrere Hunde, welche die Herde unter anderem auch vor Bären beschützen.
In den Städten scheint im Gegensatz das Leben modern zu und her zu gehen. In  der Stadt Cluj, in welcher wir zwei Nächte verbracht haben, sind viele junge Menschen, welche vor allem zum Studieren in die Stadt kommen. So habe Cluj mit seinen ca 400’000 Einwohnern über 150’000 Studenten. Das zeigte sich beim herumschlendern sehr eindrücklich mit den ganzen Strömen junger Menschen an denen wir vorbeikamen. Es gab unzählige Cafés und auch wieder grössere Supermärkte. Die vielen Gärten und Brunnen jedoch verschwanden in der Stadt.

So zeigte sich uns das Leben hier immer wieder in einem Gegensatz von Gegenwart und Vergangenheit. Wir freuen uns das Land noch weiter zu entdecken. Im Moment verbringen wir noch etwas Zeit bei Berni und ihrer Familie, bevor es weiter geht über die Karpaten Richtung Schwarzes Meer. Vielen Dank an alle Menschen denen wir begegnet sind für ihre Gastfreundschaft und ihr Interesse. Wir hoffen weiterhin auf einen guten Weg oder „Drum Bun“, wie es auf Rumänisch heisst.

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