Die letzten zwei Wochen waren ein stetiges auf und ab. Eigentlich hatte ich gedacht, dass Wyoming, welches ja mindestens teilweise am Rande der Berge liegt (zumindest den Weg den ich ausgewählt habe) etwas flacher ist…
Naja ich habe auch gedacht, dass das Wetter hier im Oktober etwa so ist wie bei uns in der Schweiz…
In beidem habe ich mich ziemlich getäuscht, was manchmal erheiternd war und bei einigen Leuten auch für Erheiterung gesorgt hat, mit Kommentaren wie, wir hätten nicht erwartet, dass noch ein Radfahrer vorbei kommt so spät im Jahr. Oft aber war es auch sehr anstrengend.
In diesem hügeligen Terrain konnte ich gut 1000 Höhenmeter an einem Tag machen ohne einen wirklichen Berg oder Pass zu erklimmen. Einfach nur mit einige Höhenmeter rauf und wieder herunter, wieder herauf und wieder herunter, den ganzen Tag…

Die Wetterbedingungen waren zu Beginn in Bozeman noch sehr gut. Es war warm und ich hatte tatsächlich einmal starken Rückenwind, was mich in zwei Tagen bis nach Billings gebracht hat, ganz unverhofft. Die warmen Temperaturen haben noch bis Casper gehalten, der Rückenwind leider nicht. Jedoch war der Seitenwind oft nicht sehr stark und ich versuchte jeweils früh zu starten, da die Winde oft erst am Nachmittag richtig einsetzten und ich nun auf meinen letzten Etappen auch längere Distanzen zurück legen wollte.
Ab Casper haben die Wetterbedingungen leider gewechselt und was wirklich erstaunlich ist, man kann an einem Tag noch im Shirt herum laufen und am nächsten Morgen im Schnee starten, dass ist mir dann auch so passiert bei meiner Abfahrt ab Casper.
Nun ich würde inzwischen nicht empfehlen bei einem leichten Schneesturm Rad zu fahren, es macht einfach keinen Spass und war auch etwas gefährlich, da die Sicht für mich (meine Brille ist ständig angelaufen oder war voll Schnee) und die Autos sehr schlecht war. Auch meine Hände habe ich trotz Handschuhe kaum mehr warm bekommen. Der Schnee verzog sich bald wieder aber das kalte Wetter blieb, bis ich Denver erreicht hatte. Naja man muss dazu noch sagen, dass meine Pausentage zwischen drin jeweils warm und schön waren, wer hat das wohl so eingerichtet.

Das Radfahren war somit nicht gerade das Highlight, auch wenn mir die Strecke abschnittsweise doch recht gut gefallen hat. Noch einmal richtig schön waren jedoch meine Begegnungen mit den Menschen auf dem Weg. Einige habe ich spontan kennen gelernt, andere über die Warmshowers Gemeinschaft. Ähnlich wie Couchsurfing, was ich einmal ausprobiert habe, ist die Warmshowers Gemeinschaft auf Radfahrer ausgelegt und wird auch von solchen genutzt. Im Gegensatz zu Couchsurfing ist die Gemeinschaft relativ klein, ich hatte aber den Eindruck, dass die Leute die mitmachen oft auch wirklich dabei sind.

In Billings durfte ich beim Vater meiner zwei super netten Warmshower Hosts aus Bozeman übernachten. Er ist Richter, Demokrat und Jäger. Ich erwähne das hier so platt, weil ich in den letzten Wochen immer wieder erstaunt war, dass es nicht nur einfach Demokraten, alle nett brauchen keine Waffen und Republikaner, Rednecks Waffennarren eher ungemütlich gab. Natürlich war mir klar dass über all Menschen sind, in all ihren Variationen. Und doch war es spannend und schön zu sehen, wie sich das hier, manchmal auch etwas in einem Spannungsfeld zeigte. Und so am Rande bemerkt, jagen tun doch noch einige recht gerne, es scheint hier sehr als Outdoor Sport angesehen zu werden, sowie als Nahrungsquelle. Mit einigen denen ich gesprochen habe, sagten klar, dass das Wild immer mitgenommen und so gut wie möglich verwertet wird.
In Buffalo, Casper und Cheyenne verbrachte ich meine Ruhetage jeweils in kleinen Familien. Ich genoss die Zeit mit kochen, Brot backen, gemeinsamem Essen und Gesprächen. Es hat wirklich gut getan in der sonst eher öden Landschaft immer wieder Menschen um sich herum zu haben. Zwischen Casper und Cheyenne wurde ich zweimal unverhofft aufgenommen. Auf der ersten Rest Area dachte ich zuerst, dass ich womöglich im Klo schlafen würde. In der Nacht sollten die Temperaturen auf -8 Grad sinken, was mit meinem Schlafsack einfach etwas zu kalt gewesen wäre. Bevor es jedoch soweit kam sprach mich ein junger Mann an und lud mich zu sich und einigen anderen Gästen auf eine nahe gelegene Ranch ein. Wir verbrachten einen super lustigen Abend mit dem Austausch von Geschichten und Spielen. Dort hatte ich wohl auch meinen ausgefallensten Schlafplatz bisher.
Einen Tag später traf ich auf einen älteren Mann und verbrachte mit ihm und seinen Freunden die Zeit in einer Bar. Er erzählte einige spannende Geschichten aus seiner Jugend. Ein alt Hippy und Outlaw wie er sich selber nannte. Das weil er neben dem Konsum von unterschiedlichster Drogen als jugendlicher und junger Erwachsener Autos für die Mafia gestohlen hatte. Bei ihm durfte ich dann ebenfalls übernachten.

Nun bin ich in Denver angekommen und meine Reise ist für dieses Jahr beendet. Rückblickend möchte ich mich noch einmal ganz fest und herzlich bei allen Menschen bedanken, die mir in den letzten Wochen unterschlupf gewährt haben. Es hat meine Radreise noch einmal sehr viel einfacher und angenehmer gemacht und war eine wunderschöne Erfahrung.


Hier noch was kleines zum Schluss. In Casper hat mich ein Reporter angesprochen und einen kleinen Witzigen Beitrag über mich gemacht. Eine super Erinnerung…

2 thoughts on “1000 Kilometer auf der Interstate durch Wyoming”

  1. Salü Marc
    Ja mein Englisch konnte ich etwas aufbessern, wobei ich gerade gestern wieder einmal in einer Situation gelandet bin, wo ich in einem Gespräch keine 50% verstanden habe von dem was die eine Frau erzählt hat ;o) Aber grundsätzlich komme ich gut durch.
    Ich hoffe doch mein Schwiizerdütsch ist noch in Ordnung wenn ich zurück kommen, ich habe es tatsächlich schön länger nicht mehr gebraucht, da ich mit meiner Freundin mit der ich am meisten noch spreche von zu Hause Deutsch rede. In der Schweiz werde ich wohl nicht viel spektakuläres machen… Arbeiten sollte ich sobald ich etwas finde.
    Ganz liebe Grüsse
    Samuel

  2. Hei Samuel! Lustig, dieser Fernsehbeitrag über den „Swiss Man biking through the snow in Wyoming“. Dein Englisch ist mittlerweile auch super. Was du jetzt im Winter wohl so machst in der Schweiz? Sicher sprichst du jetzt Schwiizertütsch mit einem fürchterlichen Englisch-Akzent :-)) Hebs guet und liebi Grüess vom Marc

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