Es sieht so aus als wäre ich der letzte Radfahrer im Yellowstone Nationalpark. Auch Leute mit Zelten habe ich kaum gesehen. Meine Planung war vermutlich etwas optimistisch, so stellte ich fest, dass Anfang Oktober bereits alle Campings, bis auf zwei grössere und einen kleinen geschlossen waren. Das Wetter war weitgehend freundlich aber echt kalt…

Sehr geholfen haben mir die zwei Gastgeber in Bozeman. Ich durfte einige Tage bei ihnen bleiben, was mir die Möglichkeit gab gutes Wetter ab zu warten. Zudem konnte ich einen zweiten Schlafsack ausleihen. So startete ich trotz den nicht ganz optimalen Bedingungen einigermassen entspannt. Meine Plan war von Bozeman eine Schlaufe in den Park zu fahren und am Ende wieder nach Bozeman zurück zu kehren.
So begann ich mein kleines Abenteuer Richtung West Yellowstone. Die Tage waren sonnig und angenehm. Einzig ein stetiger Gegenwind erschwerte meine Reise. Übernachten konnte ich auf einem bereits geschlossenen Campingplatz im Nationalforest. West Yellowstone erreichte ich nach zwei Tagen ohne grosse Probleme und war überrascht, dass ich mit etwas verhandeln zu einem sehr günstigen Aufenthalt auf einem lokalen Campingplatz kam. Noch nicht zwingend nötig aber doch angenehm war es eine Dusche und geheiztes Klo zu haben.

Um doch noch etwas Pause zu haben entschied ich mich am dritten Tag nur bis in den Park zu fahren, dort zu campen und zu versuchen per Anhalter den Park weiter aus zu kundschaften. Leider war ich nicht sehr erfolgreich und musste nach einer guten Stunde etwas enttäuscht von der Strasse auf den Campingplatz zurück kehren. Niemand hatte mich mitgenommen, wobei jemand angehalten hatte, aber nicht an den selben Ort wollte. So verbrachte ich den Rest des Tages in der Umgebung des Campingplatzes mit herumstreichen und lesen.

Die zwei folgenden Tage waren der Erkundung des Parkes per Rad gewidmet. Den ersten verbrachte ich Richtung Süden nach Old Faithful. Eine wunderbare Strecke mit so vielen Dingen die es zu sehen gab, dass es mir nicht gelang alles zu besuchen, der Tag war einfach zu kurz. Überrascht war ich über die vielen Bisons, die an und auf der Strasse standen oder in der Umgebung in den Wiesen lagen. Wunderschöne ruhige Tiere, die mir aber dann doch recht Respekt einflössten und mich so auf sicherer Distanz hielten. Immer wieder blockierten sie die Strasse, was das Vorankommen vor allem für die Autofahrer etwas erschwerte.
Die farbigen Teiche, Geisire und Dampfwolken erzeugten eine mystische Stimmung, gerade am Morgen wenn es noch kalt war und die Sonne sich noch etwas versteckte. Ich konnte mich kaum satt sehen und aufhören umher zu streifen. Naja so sind dann auch sehr viele Bilder entstanden.
Der zweite Tag führte mich einmal quer durch den Park. Zuerst zum Canyon Village um den „Grand Canyon“ des Yellowstones zu sehen. Eine riesige Schlucht geformt des Yellowstone Rivers. Wunderschön waren die Farben und Felsformationen und beeindruckend der Blick auf den Lower Fall. Weiter führte mich der Weg nach Norris, ein weiteres Geisirfeld, das aber wegen Instandsetzungsarbeiten bereits weitgehend geschlossen war. Zuletzt erreichte ich glücklich aber sehr müde Mammoth Hot Springs.

Die Nächte waren gerade auf dem Madison Camping sehr kalt. Ich war doch recht erstaunt, als die Mückennetze im inneren von meinem Atem angenetzt am Morgen gefroren waren. So war ich sehr glücklich über meinen zweiten Schlafsack. Auch hatte ich das Glück, dass die letzten Radler und Wanderer einiges an Holz zurück gelassen hatten, so konnte ich am Abend jeweils ein warmes Feuer machen. Alles in allem war jedoch für mich klar, dass ich nach zwei Tagen im Park wieder nach Bozeman zurückkehren würde, der Park war wunderschön aber das Wetter zum Zelten einfach nicht mehr ganz geeignet.

So fuhr ich, mit einem gemütlichen Stopp in den Chico Hot Springs, in zwei Tagen zurück nach Bozeman. Bei den Hot Springs fand ich ein nettes älteres Paar, dass mich in der Nähe zelten liess und für mich das Essen in der Garage aufbewahrte, man weiss ja nie wo sich die Bären noch so verstecken. Nach einem warmen Tag und einem sehr gemütlichen Aufenthalt in den Heissen Quellen war ich dann doch überrascht, als ich mich am Morgen in 10 cm tiefem Schnee wiederfand.

Nun zurück in Bozeman werde ich meine letzte Etappe antreten und in gut zwei Wochen in Denver sein…

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