Bevor ich hier kurz mein Drahtesel vorstelle, der mich hoffentlich bis zum südlichen Ende von Amerika trägt, geht ein grosser Dank an das Team vom Radwerk in Winterthur. Mit ihrer Hilfe war es möglich, ein komplett selbst zusammengestelltes Rad zu bauen. Tobi hat mich mit viel Knowhow unterstützt und das Radwerk mir die Werkstatt zur Verfügung gestellt.

Die Komponenten sind einzeln ausgesucht und zusammen gestellt. Im Verlauf der Reise wird sich zeigen, ob sie sich bewähren. Der Rahmen kommt von Genesis, einem englischen Hersteller, welcher eng mit dem Stahlrohrhersteller Reynolds zusammenarbeitet. Ausgewählt habe ich den Tour de Fer, ein Stahlrahmen, der von Genesis als Tourenrahmen beworben wird. Mir gefällt die stabile und doch feine Bauweise, die Möglichkeit einen Frontgepäckträger oder auch drei Flaschen halter montieren zu können.
Bei der Schaltung habe ich mich für eine Rohloff Speedhub entschieden. Eine 14 Gang Getriebenabe. Sie zeichnet sich dadurch aus, nahezu wartungsfrei zu sein. Einzig ein Ölwechsel alle 5000km wird empfohlen und davon abgeraten sie im Wasser unter zu tauchen. Sie ist mit Öl gefüllt und somit nur von Innen nach Aussen abgedichtet, jedoch nicht umgekehrt.

Rohloff mit BB7 Scheibenbremse und Rohbox von Gebla

Ich bin gespannt wie viele km ich damit ohne Schwierigkeiten zurücklegen kann. Leider können keine reguläre mit 6 Schrauben befestigte Bremmsscheiben verwende werden. Die Rohloff benötigt spezielle Scheiben mit 4 Schrauben. In Kombination mit einem Rahmen, welcher nicht für die Rohloff konzipiert wurde muss weiter beachtet werden, wie die Rohloff am Rahmen abgestützt werden kann. Sie benötigt eine Drehmomentabstützung, die von einem, für eine Rohloff gebauten Rahmen, oft in das Ausfallende für das Hinterrad Integriert ist. Genesis bietet bisher leider keine Rahmen für die Rohloff an. Jedoch war es mir möglich, mit einem einfachen Frästeil, die Getriebenabe an den zwei Gepäckträgeraufnahmen abzustützen.
Zur Strohmproduktion hat mich Tobi von einem Son überzeugt. Ein Nabendynamo, welcher nach wie vor in Deutschland, in einem Werk hergestellt wird. Speziell am Son ist sein integriertes Druckausgleichssystem, welches das Eindringen von Feuchtigkeit verhindern soll. Zudem ist es schön ein lokales Produkt nutzen zu können.
Das Bremssystem ist von Sram. Kombiniert aus zwei Avid BB7 Road Kabelzug Scheibenbremsen und zwei Sram Rival Bremsschalthebeln. Für ein Kabelzugsystem spricht, dass die Kraftübertragung über Kabel statt Öldruck erzeugt wird. Kabel können, wenn sie zerreissen einfacher ersetzt werden, als ein leckendes mit Öl gefülltes Rohr. Zudem muss kein zusätzliches Öl für die Bremsen mitgeführt werden.
Gespannt bin ich, wie die Schalthebel kombiniert mit der Rohloff auf die Dauer funktionieren. Rohloff liefert standartmässig ihre eigene Schaltbox mit einem Drehschaltgriff mit. In Kombination mit einem Rennlenker existieren einige abenteuerliche Montagemöglichkeiten. Gebla hat hat eine eigene Schaltbox die Rohbox entwickelt. Sie ermöglicht das Umschalten der Rohloff per einfachem Zug an zwei unterschiedlichen Schaltseilen. Mit einem kleinen Umbau, an den Bremsschalthebeln von Sram, konnten diese nun direkt zum Schalten der Rohloff verwendet werden.

Kettenspanner von Rohloff mit Thorn Kurbel

Da Genesis das Spannen der Kette über den Rahmen nicht ermöglicht, kommt ein Kettenspanner von Rohloff zum Einsatz. Ein einarmiger Singlespeed Kettenspanner hatte sich nicht bewährt. Dieser verhinderte, dass das Rad aus dem Ausfallende gehoben werden konnte. Sollte also das Rad ohne Demontage des Kettenspanners ausgebaut werden können, brauchte es ein mehrgliedriger Kettenspanner.
Lange überlegt habe ich auch, welche Kurbel für mich sinnvoll ist. Tobi mein Velomechaniker empfahl mir als Tretlager ein „old school“ Patroneninnenlager mit 4 Kant Aufnahme. Diese sind auf der Welt am weitesten verbreitet und sollen sehr lange halten. Zudem sind sie relativ kostengünstig. Nun war es nicht ganz simpel eine passende Kurbel zu finden. Nach wie vor ist es möglich Kurbeln mit 4 Kantaufnahme zu finden, jedoch gibt es diese im Moment nur vereinzelt. Dazu kam, dass ich gerne eine etwas kürzere Kurbel gehabt hätte. Eine kürzere Kurbel soll, so die Aussage nach einigen Recherchen im Internet, die Knie schonen, da der Biegewinkel durch eine kürzere Kurbel weniger Steil sei. Tönt plausibel habe ich gedacht und auch überlegt, dass die Belastung für den Körper doch relativ gross sein wird, mit dem Plan so viele Stunden im Sattel zu verbringen. Gefunden habe ich Kurbeln von Thorn bzw SJS Cycles. Sie können jedoch nur aus England bestellt werden. Sie bieten unterschiedliche Kurbeln in verschiedenen Längen an.
Die Rohloff kommt standartmässig mit einem Ritzel mit 16 Zähnen. Um vor allem ausreichend kleine Gänge zu haben, verwende ich an der Kurbel ein Kettenblatt mit 34 Zähnen. Wie sich dies bewährt werde ich während der Tour sehen und gegebenfalls noch anpassen.
Neben einem Front und Heck Gepäckträger von Tubus habe ich zwei Flaschenhalter für Petflaschen montiert, die normale eineinhalb Liter Flaschen aufnehmen können. Weiter habe ich einen kleinen Flaschenhalter zurecht gebogen, um dort eine ein Liter Flasche mit Benzin für den Kocher verstauen zu können. Das Gepäck wird in 4 Taschen auf den Front und Heckgepäckträger aufgeteilt. So hoffe ich das Gewicht auf beiden Achsen einigermassen gleichmässig verteilen zu können und so einen Speichenbruch vorzubeugen.
Zuletzt der Sattel. Naja ob der Kernledersattel von Brooks dann wirklich auch einmal richtig bequem wird werde ich sehen. In Kombination mit Fahrradhosen habe ich bereits drei Wochen darauf überstanden. Alles weitere wird sich zeigen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Für allfällige Fragen zum Aufbau und Technik gebe ich gerne Auskunft, soweit ich das als nicht Fahrradmechaniker kann. Und halte euch auf dem Laufenden, falls ich über weitere spannende Erfahrungen berichten kann.

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